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170.000 Leben - Gedenkallee Sobibór

Die Gedenkallee in Sobibór ist ein einmaliges europäisches Bürgerprojekt. Mehr als 60 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs und fast zwei Jahrzehnte nach Beendigung der Teilung Europas Gedenken und Erinnern Ost- und Westeuropäer gemeinsam an die Opfer der deutschen Nationalsozialisten im polnischen Sobibór.

 

170.000 Leben – die Gedenkallee in Sobibór

Die Gedenkallee in Sobibór ist ein einmaliges europäisches Bürgerprojekt. Mehr als 60 Jahre nach Ende des 2. Weltkriegs und 16 Jahre nach Beendigung der Teilung Europas gedenken und erinnern Ost- und Westeuropäer gemeinsam an die Opfer der deutschen Nationalsozialisten im polnischen Sobibór.

Deutsche SS-Männer ermordeten im Lager Sobibór etwa 170.000 jüdische Menschen. Sie töteten die jüdischen Männer, Frauen und Kinder mit Motorabgasen, verbrannten ihre Leichen und verscharrten ihre Asche in riesigen Massengräbern. Anschließend verwischten sie die Spuren ihres Massenmords. Sie schleiften die Gaskammern und bepflanzten das Gelände mit Bäumen. Zwar wurde 1965 eine Gedenkstätte errichtet, doch Bäume und Gras schienen die Geschichte allmählich zu überwuchern. Das kleine Lager im Dreiländereck Polen, Ukraine und Weißrussland geriet in Vergessenheit.

Heute ist der Wald des Vergessens einer Allee der Erinnerung gewichen. Auf einer Länge von mehreren hundert Metern wurde der dichte Kiefernwald gerodet und ein befestigter Weg angelegt. Links und rechts dieses Weges wurden immergrüne Bäume gepflanzt. Zu jedem Bäumchen gehört ein Stein des Gedenkens. Mittlerweile tragen nahezu 200 dieser Natursteine am Wegesrand der Gedenkallee die Namen von in Sobibór Ermordeten. Von Menschen aus Polen, der ehemaligen Sowjetunion, den Niederlanden, Deutschland, Österreich, Tschechien, der Slowakei und Frankreich.

Die Gedenkallee in Sobibór

170.000 ermordete jüdische Menschen - das ist eine so ungeheuerliche Zahl, dass die einzelnen Menschen und ihre Schicksale dahinter zu verschwinden drohen. Den Opfern ihre Namen und ihre Identität zurückgeben - das ist das Ziel des Projektes „170.000 Leben – Gedenkallee Sobibór“. Allen Bemühungen zum Trotz werden viele Gedenksteine namenlos bleiben. Denn für eine große Zahl der 170.000 Toten wird man nie aufklären können, wer sie waren. Ihrem Gedenken sind bereits heute Steine mit dem Schriftzug gewidmet – For the unkown.

Die Allee ist ein historischer Ort. Ihr Verlauf orientiert sich an dem Weg, den Männer, Frauen und Kinder, getrieben von deutschen SS-Männern, in die Gaskammern gehen mussten. Im SS-Jargon hieß dieser Weg zynisch die „Himmelfahrtstraße“.

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Ein europäisches Bürgerprojekt

Die Gedenkallee ist ein lebendiges Erinnerungsprojekt. Jahr um Jahr, Stein um Stein, Name um Name wächst die Allee weiter. Dabei ist die Gedenkallee für die ermordeten Jüdinnen und Juden in Sobibór kein staatliches, sondern ein von Bürgerinnen und Bürgern Europas getragenes Gedenk- und Erinnerungsprojekt. Hunderte Menschen aus Deutschland, den Niederlanden, Frankreich und aus Polen haben sich bisher an der Entstehung und Finanzierung der Gedenkallee beteiligt. Auch aus Australien, Israel und den USA gab es Unterstützung. Es sind vor allem Angehörige von in Sobibór Ermordeten, die ihren geliebten Eltern und Großeltern, ihren Geschwister, Verwandten und Freunden gedenken möchten. Aber auch Bürgerinnen und Bürger beteiligen sich, die an jüdische Mitmenschen erinnern wollen, die aus ihren Heimatorten nach Sobibór verschleppt wurden. Schulklassen sowie Gruppen von Studierenden engagierten sich ebenfalls an der Allee in Erinnerung an ehemalige jüdische Jugendliche: sie stifteten Gedenksteine und pflanzten Bäume. Viele recherchierten Informationen über die Ermordeten und stellten diese der Gedenkstätte zur Verfügung. So finden sich im Museum zu den Namen auf den Gedenksteinen Fotografien und Biographien der ermordeten Menschen.

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Im April 2006 pflanzte ein Workcamp der Naturfreundejugend NRW Bäume in der Gedenkallee


Ein europäischer Lern- und Gedenkort

 

Im ostpolnischen Sobibór endeten zwischen Anfang Mai 1942 und Oktober 1943 die Lebenswege von rund 170.000 ost- und westeuropäischen Juden gewaltsam durch die deutschen Nationalsozialisten. Heute trägt jeder Stein in der Gedenkallee einen anderen Namen. Jeder einzelne Stein spricht in einer anderen europäische Sprache zu den Besucherinnen und Besuchern. Auf den wenigen hundert Metern sind niederländische, polnische, russische, tschechische, deutsche und französische Namen zu lesen. Durch diese Nennung der Opfer und auch durch die Präsentation ihrer persönlichen Lebensgeschichten in der Gedenkstätte wird die Geschichte von Verfolgung und Ermordung der jüdischen Bevölkerung Europas anschaulich und greifbar. Herkunftsländer, Orte, Straßennamen, Daten, Berufe und kleine persönliche Informationen lassen ihre Schicksale näher rücken.

Jedes Jahr treffen sich in der Gedenkallee Juden und Nichtjuden, Deutsche und Niederländer, Polen und Israelis, alte und junge Menschen. Trotz konfessioneller Unterschiede und sprachlicher Barrieren trauern sie gemeinsam und gedenken der Ermordeten. Sie kommen miteinander ins Gespräch und diskutieren über unterschiedliche Erinnerungen in ihren Heimatländern. Auch das macht die Gedenkallee möglich.

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19. April 2007. 150 Schülerinnen und Schüler aus der polnischen Stadt Wlodawa und 50 Menschen aus den Niederlanden und Deutschland erinnern in der Gedenkallee an die in Sobibor ermordeten Menschen.


Geschichte des Vernichtungslagers Sobibór


Das Todeslager Sobibór gehörte zusammen mit Belzec und Treblinka zu den nationalsozialistischen Lagern der „Aktion Reinhardt“ in Polen. In den drei deutschen Mordstätten wurden insgesamt über 1,5 Millionen jüdische Menschen sowie etwa 50.000 Sinti und Roma getötet. Bislang ging man von 250.000 Opfern allein in Sobibór aus. Neuere wissenschaftliche Untersuchungen nennen eine Opferzahl von etwa 170.000 jüdischen Menschen, die innerhalb eines Zeitraums von anderthalb Jahren ermordet wurden. Bei einem Aufstand jüdischer Arbeitshäftlinge konnten am 14. Oktober 1943 schließlich knapp 300 Häftlinge aus Sobibór fliehen. Etwa fünfzig von ihnen überlebten den Krieg. Seit Juni 1965 gibt es eine Gedenkstätte in Sobibór. Anläßlich des 60. Jahrestages des jüdischen Häftlingsaufstandes, am 14. Oktober 2003, wurde die Gedenkallee eingeweiht.

Unterstützung des Projektes


Wer sich an der Gedenkallee beteiligen möchte, kann zur Erinnerung an in Sobibór ermordete jüdische Menschen einen Stein aufstellen. Lassen Sie uns gemeinsam der Jüdinnen und Juden gedenken, die nach Sobibór verschleppt und dort ermordet wurden, an Angehörige und Freunde, Nachbarn und Bürger unserer Heimatorte. Darüber hinaus sammeln wir biographische Daten, Informationen und Fotographien der Opfer. Diese werden im Museum Sobibór ausgestellt und sollen später auch im Internet präsentiert werden. Beide Projekte können Sie mit Ihrer Hilfe und Ihren Spenden unterstützen.

Die Gedenkallee ist ein Gemeinschaftsprojekt des Bildungswerks Stanislaw Hantz e.V. in Kassel (Deutschland) und der Stichting Sobibór in Amsterdam (Niederlande).

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abgelegt unter:

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Termine
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Bildungsreise Ghetto Litzmannstadt/Kulmhof 08.09.2017 - 12.09.2017 — Lodz
Bełżec, Sobibór, Treblinka - die vergessenen Mordlager des Holocaust 30.09.2017 - 07.10.2017 — Lublin
"Annäherung an Auschwitz" 11.05.2018 - 15.05.2018 — Auschwitz
Der Holocaust in Litauen 20.05.2018 - 26.05.2018 — Vilnius
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