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77 Jahre - Aufstand in Sobibor / 77 years - uprising in Sobibor

Am 14. Oktober 1943 kamen die jüdischen Gefangenen im Mordlager Sobibor in Aufstand. Zwei von ihnen waren Selma und Chaim Engel. Auf Initiative des Bildungswerk Stanisław Hantz und in Zusammenarbeit mit der Gedenkstätte Sobibor, der Familie Engel-Wijnberg in den USA und der niederländischen Stichting Sobibor wird im Jahr 2021 erstmals der „Selma und Chaim Engel Preis“ ausgelobt.

 

Mordlager Sobibor. 14. Oktober 1943, Nachmittag. #otd #sobibor *english below
Zusammen mit seinem Mitgefangenen Pożycki tötet Chaim Engel mit einem Messer die deutschen Täter Beckmann und Steffel. Später erinnert sich Engel an die Worte, die ihn bei der Tötung begleiteten „Das ist für meinen Vater, für meine Mutter, für alle Juden die du ermordet hast.“ Zur gleichen Zeit werden von jüdischen Gefangenen noch andere Angehörige der deutschen Lagermannschaft von Sobibor getötet. Nun gibt es kein Zurück mehr. Was monatelang in aller Heimlichkeit geplant und vorbereitet wurde hat nun begonnen. Bei der Revolte der jüdischen Gefangenen am 14. Oktober 1943 gelingt es etwa 350 von ihnen, aus der Mordstätte zu fliehen.

Der polnische Jude Chaim Engel wird am 6. November 1942 in das Mordlager Sobibor verschleppt. Von den 2.000 Jüdinnen und Juden die mit ihm nach Sobibor kommen, wählen die Deutschen nur einige wenige zur Zwangsarbeit in der Mordstätte aus. Chaim Engel und sein Bruder gehörten dazu. Fünf Monate nach Chaim Engel kommt am 9. April 1943 die zwanzigjährige niederländische Jüdin Selma Wijnberg in Sobibor an. Auch sie wird von den Deutschen Tätern zur Zwangsarbeit in dem Mordlager bestimmt. In Sobibor werden Chaim und Selma ein Paar, das fortan gemeinsam versucht, Gewalt, Zwangsarbeit und Angst im Lager zu überleben. So ist es auch Selma, die Chaim das Messer beschafft, mit dem er am 14. Oktober die zwei Deutschen tötet. Und gemeinsam wagen sie schließlich die Flucht aus dem Mordlager. „Ich zog Selma an der Hand und wir rannten los, einige fielen hin, aber wir schafften es durch das Tor“, erinnerte sich Jahre später Chaim Engel.

Bis zur Ankunft der Roten Armee können sich Chaim und Selma in der Nähe der Stadt Chełm verstecken. Im Versteck schreibt Selma ein Tagebuch. Am 24. Juli 1944 notiert sie: „Es ist unglaublich. Wir sind wirklich frei und ich kann Draußen im Freien schreiben. Wir müssen uns ständig sagen, dass es wahr ist. Wir sind wieder menschliche Wesen und können mit anderen sprechen.“ 1945 erreichen Selma und Chaim Engel die Niederlande. Als polnischer Jude darf Chaim dort ungeachtet seiner Geschichte jedoch nicht bleiben und so emigriert das Paar 1951 nach Israel und schließlich 1957 in die USA. Chaim Engel starb am 4. Juli 2003 an den Folgen eines Autounfalls. Selma Engel-Wijnberg starb am 4. Dezember 2018 als vorletzte Überlebende von Sobibor.
Auf Initiative des Bildungswerk Stanisław Hantz und in Zusammenarbeit mit der Gedenkstätte Sobibor, der Familie Engel-Wijnberg in den USA und der niederländischen Stichting Sobibor wird im Jahr 2021 erstmals der „Selma und Chaim Engel Preis“ ausgelobt. Mit dem Preis sollen Menschen aus der Region Lublin ausgezeichnet werden, die sich im Rahmen von Bildungs- und Forschungsprojekten, in Vereinen, Initiativen und der schulischen Bildung mit der jüdischen Geschichte ihrer Stadt beschäftigen, sich dem Gedenken an die Opfer der sog. Aktion Reinhard widmen oder die Arbeit der Gedenkstätte Sobibor unterstützen. Am 14. Oktober 2021 wird der „Selma und Chaim Engel Preis“ zum ersten Mal in der Gedenkstätte Sobibor verliehen.


 

Sobibor death camp. 14 October 1943, afternoon.
Together with his fellow prisoner Pożycki Chaim Engel kills the German perpetrators Beckmann and Steffel with a knife. Later Engel remembers the words that accompanied him during the killing "This is for my father, for my mother, for all the Jews you murdered. At the same time other members of the German camp staff of Sobibor are killed by Jewish prisoners. Now there is no turning back. What had been planned and prepared in secret for months has now begun. During the revolt of the Jewish prisoners on 14 October 1943 about 350 of them managed to escape from the killing site.

The Polish Jew Chaim Engel was deported to the death camp Sobibor on 6 November 1942. Of the 2,000 Jews who came with him to Sobibor, the Germans selected only a few for forced labour at the killing site. Chaim Engel and his brother were among them. Five months after Chaim Engel, the twenty-year-old Dutch Jew Selma Wijnberg arrived in Sobibor on 9 April 1943. She, too, is ordered by the German perpetrators to do forced labour in the camp.In Sobibor, Chaim and Selma became a couple who henceforth tried to survive violence, forced labour and fear in the camp together. It was Selma who provided Chaim with the knife with which he killed the two Germans on 14 October. And together they finally dared to escape from the death camp. "I pulled Selma by the hand and we ran, some fell down, but we made it through the gate," Chaim Engel recalled years later.

Until the arrival of the Red Army, Chaim and Selma were able to hide near the city Chełm. In hiding Selma wrote a diary. On 24 July 1944, she notes: "It's incredible. We are really free and I can write outside in the open. We have to keep telling ourselves that it is true. We are human beings again and we can talk to others".In 1945 Selma and Chaim Engel reached the Netherlands. As a Polish Jew, Chaim was not allowed to stay there regardless of his story and so the couple emigrated to Israel in 1951 and finally to the USA in 1957. Chaim Engel died on 4 July 2003 as a result of a car accident. Selma Engel-Wijnberg died on 4 December2018 as the second last survivor of Sobibor.

On the initiative of the Bildungswerk (Center of Education) Stanisław Hantz and in cooperation with the Sobibor Memorial, the Engel-Wijnberg family in the USA and the Dutch Stichting Sobibor, the "Selma and Chaim Engel Prize" will be awarded for the first time in 2021. The prize is to be awarded to people from the Lublin region who, within the framework of educational and research projects, in associations, initiatives and school education, deal with the Jewish history of their city, dedicate themselves to the memory of the victims of the so-called Aktion Reinhard or support the work of the Sobibor Memorial site. On 14 October 2021 the "Selma and Chaim Engel Prize" will be awarded for the first time at the Sobibor Memorial.

Termine
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Bełżec, Sobibór, Treblinka - die vergessenen Mordlager des Holocaust 25.09.2021 - 02.10.2021 — Lublin
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