2049 Briefe für Stanisław Hantz

Anlässlich des 100. Geburtstags von Stanisław Hantz im Januar 2023, haben wir das Projekt „2049 Briefe an Staszek“ zusammen mit der Internationalen Jugendbegegnungsstätte (IJBS) in Oświęcim ins Leben gerufen. Stanisław Hantz war fast fünf Jahre Häftling in Auschwitz, er war der Häftling Nummer 2049.

Das Resultat dieses Projektes liegt nun vor: Etwa 300 Briefe wurden an Staszek geschrieben. Die Schreiberinnen und Schreiber waren vor allem jugendliche Besucherinnen und Besucher der IJBS. Fast alle Briefe wurden unter dem Eindruck des Besuches der Gedenkstätte Auschwitz – Birkenau verfasst. Einige wenige ältere Schreiberinnen und Schreiber kannten Staszek persönlich, die Mehrheit kannte ihn aus einer Ausstellung, dem Buch „Zitronen aus Kanada“, aus Erzählungen, einem Film. Besonders berührend sind auch die Briefe der Nachkommen an ihren Vater, Großvater. Ein Text fällt aus dem Schema „Brief“ heraus, es ist der Versuch der Tochter Krystyna, den Überlebenden und verletzten Vater zu zeigen, wie er sich ihr und der Familie präsentierte.

Diese Briefsammlung ist ein starkes Argument für die Gedenkarbeit. Die Sammlung zeugt auch vom beginnenden Wissen der jungen Gedenkstätten-BesucherInnen über das Dritte Reich und seinen Völkermord, von den überwältigenden Gefühlen, von den vielen daraus folgenden Fragen. Die Schreiberinnen und Schreiber allerdings wagen oft einen weiteren Schritt. Sie sehen sich nicht als Schuldige, aber als Verantwortliche für die deutsche Geschichte. Sie beschwören ihren Widerstandswillen gegen die rechten Tendenzen im Land. Die Briefe sind kein Lamentieren und kein Jammern, sie strahlen Zuversicht aus und den Willen zum tätigen Widerstand. So heißt es: „Solange ich lebe, werde ich niemals schweigen, wenn Menschen unterdrückt werden und Deine Geschichte weitererzählen. Der Tod ist nicht das Ende, wir sehen uns wieder. Wir alle sind Menschen, die jetzt Dein Schicksal kennen und verändert aus dieser Erfahrung herausgehen.

Das Buch enthält eine Auswahl der eingegangenen Briefe. Sie wurden hauptsächlich in Deutsch, aber auch in Polnisch, Französisch und Englisch verfasst. Einen Teil haben wir ins Polnische bzw. ins Deutsche übersetzen lassen.

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