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Stacja Treblinka - Gedenkort an der ehemaligen Bahnstation Treblinka

2018 wurde dem Museum Treblinka ein Teil des Geländes der ehemaligen Bahnstation Treblinka übergeben. Damit besteht die Möglichkeit, einen Ort des Erinnerns und Gedenkens aufzubauen. Ein Ort, an dem an die Menschen erinnert wird, die zusammengepfercht in den Waggons standen und auf die Weiterfahrt in das Mordlager Treblinka warten mussten. Ein Ort des Gedenkens an die Menschen, die versucht haben, aus den Waggons zu fliehen und auf dem Bahnhof Treblinka getötet wurden. Das Bildungswerk Stanislaw Hantz e.V. unterstützt das Museum Treblinka bei der Errichtung eines Gedenkortes auf dem ehemaligen Gelände des Bahnhofs Treblinka. Mit einem Parkplatz, Sitzbänken, Beleuchtung für die dunkele Jahreszeit sollen die Voraussetzungen für einen würdiges Erinnern und Gedenken geschafft werden. Zur Finanzierung dieser Vorhaben bitten das Bildungswerk Stanislaw Hantz e.V. um Spenden. Die Spendenaktion wird über die Spendenplattform betterplace.org organisiert (www.betterplace.org/de/projects/69955-erinnerungsort-bahnhof-treblinka). Wir bedanken uns bei der Bethe-Stiftung die mit einer Spendenverdopplungsaktion die eingegangenen Spenden verdoppelt.

Gedenkort im Aufbau
Gedenkort Treblinka im Aufbau

Von Juli 1942 bis August 1943 war der Bahnhof Treblinka der Ort, an dem alle sogenannten Umsiedlerzüge zum Stehen kamen. In großen und kleinen Städten hatten die Deutschen die Jüdinnen und Juden im besetzten Polen in Güterwaggons getrieben. Sie sollten „umgesiedelt“ werden.

 Alle Todeszüge, die für die Mordstätte Treblinka bestimmt waren, mussten auf dem Bahnhof Treblinka ihre Fahrt beenden. Hier wurden jeweils 20 Waggons von dem Zug abgekoppelt und auf das Nebengleis rangiert. Von dort wurden die Waggons Richtung Kiesgrube geschoben und an einem neu geschaffenen Abzweig weiter in das Mordlager geschoben. Die „Rampe“ innerhalb des Lagers, an der die Menschen aus den Waggons getrieben wurden, konnte maximal 20 Waggons aufnehmen.

 Edi Weinstein rollte im August 1942 mit einem Todeszug aus Siedlce in die Bahnstation Treblinka ein:

„Drei oder vier Stunden später hielt schließlich der Zug an einem Bahnhof. Jemand schaute heraus, sah den Namen des Bahnhofs und sagte das Wort weiter: Treblinka.

Wir sahen Menschen dabei zu, wie sie sich aus den Wagons lehnten, einige völlig nackt und andere, die lediglich Hosen trugen. Sie taumelten wie Betrunkene. Zu erschöpft, um vor den Bewachern Angst zu haben, schwankten sie zu einer nahegelegenen Wasserpumpe. Die meisten von ihnen wurden noch bevor sie ihr Ziel erreichten, erschossen; andere starben, als sie Wasser tranken. Einige beobachteten dies, aber davon nicht abgeschreckt, versuchten sie trotzdem ihr Glück. Bis heute erinnere ich mich an Abraham Jablonski, einen ehrenwerten Mann aus Losice, der rannte, so nackt wie er an dem Tag seiner Geburt war. Er erreichte die Pumpe, nur um in diesem Moment, bevor er den Pumpenhebel packte, von einer Kugel getroffen zu werden. Ich dachte bei mir, dass er jetzt allerdings seine letzte Ruhe gefunden hatte; die Toten sind nie durstig. Diejenigen, die auf die Pumpe zu liefen, waren sich kaum bewusst, was sie da taten; ihr einziger Wunsch war es, ihre Münder zu befeuchten, selbst, wenn darauf der Tod folgte. Auch ich wäre in die Richtung gerannt, wenn ich mir sicher gewesen wäre, dass sie mich hätten trinken lassen, bevor ich starb.

Plötzlich bemerkte ich einige Meter von unserem Zug entfernt eine Frau von dreißig oder so, die nur mit einer Hose bekleidet war. Sie näherte sich dem SS Offizier und zeigte auf ihre Brust. Es war klar, dass sie ihn bat, sie zu erschießen. Der Offizier schlug sie mehrmals mit seiner Reitpeitsche, aber sie hielt stand und zeigte erneut auf ihre Brust. Der Offizier, der offensichtlich dabei war seine Geduld zu verlieren, trat zur Seite, rief einen der Soldaten herbei und befahl ihm, sie zu erschießen. Sie richtete sich gerade auf und drehte ihren Kopf in die Richtung dieses Mörders. Nach dem lauten Knall des Gewehrschusses, knickten ihre Beine ein und sie sank zu Boden. Ich bewunderte ihren Mut.“

Der offizielle Name für das deutsche Mordlager lautete: „SS-Sonderkommando Treblinka, Distrikt Warschau“. Der erste Todeszug erreichte Treblinka am 23. Juli 1942 mit Menschen aus dem Warschauer Ghetto. Die letzten Züge kamen am 18. und 19. August 1943 mit 8.000 Menschen aus Białystok. Auf einem kleinen Areal von 400 x 600 Meter fand der Mord statt. Die ankommenden Jüdinnen und Juden mussten sich auf einem Platz entkleiden und wurden anschließend durch einen schmalen Gang in die Gaskammern getrieben. Im Regelfall dauerte es 1,5 Stunden, bis die Menschen nach ihrer Ankunft in Treblinka ermordet waren. Nur eine kleine Zahl von 600 bis 1.000 jüdischen Gefangenen ließen die Täter kurzzeitig am Leben. Sie mussten den Lagerbetrieb aufrecht halten, die Leichen aus den Gaskammern holen und sie verscharren und später verbrennen. Über sie wachte die Lagermannschaft: Etwa 30 deutsche Täter und 80 bis 120 sogenannte Trawniki-Männer waren in Treblinka eingesetzt und organisierten den Massenmord.

 Für wie viele Jüdinnen und Juden der Bahnhof Treblinka die letzte Station vor ihrer Ermordung war, lässt sich nicht mehr rekonstruieren. Die geschätzten Opferzahlen liegen zwischen 700.000 bis 900.000 Menschen. Im Januar 1943 meldete der Stab des SS- und Polizeiführers Lublin die Zahl der 1942 in Treblinka ermordeten Menschen: 713.555. Bei ihrem Rückzug vor der näherkommenden sowjetischen Armee wurde der Bahnhof von Treblinka im Sommer 1944 von deutschen Soldaten vollständig zerstört.

Nach dem Krieg wurde die Bahnstation wieder instand gesetzt. Güter- und Personenzüge hielten in Treblinka und fuhren wieder weiter. Die schrecklichen Szenen, die von Juli 1942 bis August 1943 den Ort bestimmten, haben keine Spuren hinterlassen. So, als hätte es die über 700.000 Jüdinnen und Juden nicht gegeben, die auf der Bahnstation Treblinka darauf gewartet haben, bis ihr Waggon in das Mordlager geschoben wurde.

 Vermutlich im Zusammenhang mit der Eröffnung der neuen Gedenkstätte in Treblinka am 10. Mai 1965 wurde auch der Bahnhof in das offizielle Erinnern und Gedenken einbezogen. Auf dem Bahnsteig wurden zwei Schilder aus Metallgittern aufgestellt. „Nie wieder Treblinka“ und „Nie wieder Krieg“ war darauf zu lesen. Blumenkübel aus Beton sollten das Bild abrunden.

Stacja Treblinka_1990
Bahnhof Treblinka im Jahr 1990

1993 wurde der öffentliche Personenverkehr auf dem Bahnhof Treblinka eingestellt. Für den Güterverkehr wurde der Bahnhof noch bis 1998 genutzt, dann wurde der Betrieb vollständig eingestellt. Im Jahr 2004 wurde der Bahnhof Treblinka schließlich aufgelöst. In der Folgezeit wurden die Bahngleise demontiert und schließlich begann man mit dem Bau einer neuen Straße. Seit 2015 zieht sich eine Straße quer durch das ehemalige Gelände des Bahnhofs Treblinka. Damit wurde ein Zeugnis des Holocaust unwiederbringlich zerstört.

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Termine
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Bełżec, Sobibór, Treblinka - die vergessenen Mordlager des Holocaust 12.10.2019 - 19.10.2019 — Lublin
„Auf Transport in den Osten …“ Bildungsreise nach Izbica/Polen 23.04.2020 - 26.04.2020 — Izbica
"Annäherung an Auschwitz" 15.05.2020 - 19.05.2020 — Auschwitz
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