17. bis 20. März 2027
In der Nähe der Gedenkstätte Bełżec befindet sich ein ehemaliger Lokomotivschuppen. Das Gebäude verfällt. Es stehen nur noch die Außenmauern und hat kein Dach mehr. Es ist von Sträuchern und Gebüsch umgeben. Der Innenraum ist vermüllt. An einem Arbeitstag will das Bildungswerk Stanislaw e. V. das Gebäude wieder in einen annehmbaren Zustand versetzen. Außerdem soll eine Tafel angebracht werden, die über die Bedeutung des Gebäudes als Ort des Holocaust informiert.

Zur Zeit der Mordstätte Belzec wurde der Lokomotivschuppen von den deutschen Tätern als Bekleidungslager genutzt. Die jüdischen Gefangenen mussten per Hand Loren vom Lokomotivschuppen zur Lagerrampe schieben. Ein Arbeitskommando trug die Kleidung aus den Entkleidungsbaracken zur Rampe. Nach der Verladung der Textilien in die Loren wurden diese auf den Gleisen zurück zum Lokomotivschuppen geschoben. Im Lokomotivschuppen wurde die Kleidung auf versteckte Wertsachen kontrolliert; dazu wurden unter anderem auch Nähte aufgetrennt. Um die Herkunft der Kleidung zu verschleiern, musste der Davidstern abgetrennt werden. Anschließend wurden die Textilien sortiert, gebündelt und vorübergehend eingelagert. Mit der Ostbahn wurden sie weiter transportiert, entweder in das zentrale Textillager der „Aktion Reinhardt“ in Lublin oder in das Zwangsarbeitslager an der Janowska-Straße in Lemberg. Dort wurden die Sachen ein zweites Mal sortiert, desinfiziert, gewaschen und in Bündel verpackt, um sie entweder weiter ins Deutsche Reich zu schicken oder an die volksdeutsche Bevölkerung der Region zu verteilen.
Dem täglichen Terror zum Trotz sabotierten die jüdischen Gefangenen im Lokomotivschuppen die Arbeit der deutschen Täter. So kam es immer wieder vor, dass aus den Kleiderlagern in Lublin gemeldet wurde, dass an einzelnen Kleidungsstücken noch Davidsterne waren oder dass sich in den Kleidern Geld und Wertsachen befanden.
Die etwa 50 jüdischen Gefangenen im Lokomotivschuppen waren derselben Brutalität und Willkür ihrer Bewacher ausgesetzt wie die Gefangenen im Mordlager selbst. Bei Arbeiten für die deutschen Täter in der Schlosserwerkstatt beim Lokomotivschuppen konnte Kazimierz Czerniak beobachten, „dass [wenn] manche Juden unter dem Gewicht der getragenen Last hingefallen sind, …schossen die Wachmänner mit Gewehren auf sie.“
Nach dem Krieg wurde der Lokomotivschuppen zunächst wieder von der polnischen Bahn genutzt, dann aber in den 1960er Jahren aufgegeben. Seit dieser Zeit stand das Gebäude leer. Bei der Errichtung der ersten Gedenkstätte in Bełżec im Jahr 1963 wurde er nicht mit einbezogen. Auch bei der Neugestaltung der Gedenkstätte zu Beginn der 2000er Jahre wurde er nicht berücksichtigt. Bis heute wird die historische Bedeutung des Gebäudes im Zusammenhang mit der Ermordung von 450.000 Jüdinnen und Juden in Bełżec nicht wahrgenommen.
Es ist nur eine Frage der Zeit, bis der Lokomotivschuppen endgültig zerfällt und seine Geschichte damit verschwindet. Sie ist die Geschichte jüdischer Gefangener, die im Schatten der Gaskammern dort zur Zwangsarbeit gezwungen wurden, Misshandlungen ausgesetzt waren und starben.
Mit Informations- und Arbeitstagen wollen wir ein Zeichen setzen und die Öffentlichkeit auf diesen Ort des Holocaust aufmerksam machen.
Interessierte an den Arbeitstagen schreiben: ross@bildungswerk-ks.de.