Direkt zum Inhalt | Direkt zur Navigation

Benutzerspezifische Werkzeuge

Sie sind hier: Startseite / Bildungsreisen / „Inmitten des grauenvollen Verbrechens“

„Inmitten des grauenvollen Verbrechens“

Reise zum 75. Jahrestag von dem Aufstand des jüdischen Sonderkommandos in Auschwitz-Birkenau am 7. Oktober 1944
Wann 05.10.2019 um 10:15 bis
08.10.2019 um 22:15
Wo Auschwitz Oswiecim
Termin übernehmen vCal
iCal

Als die Stunde zu Mittag um 1.25 Uhr kam und sie eintrafen, um diese 300 Leute zu holen zeigten sie sehr großen Mut, indem sie sich nicht vom Platz rühren wollten. Sie erhoben einen lauten Schrei, warfen sich mit Hämmern und Äxten auf die Wächter, verwundeten einige von ihnen und schlugen die übrigen womit sie nur konnten und bewarfen sie einfach mit Steinen …“

Mit diesen Worten beschreibt Salmen Lewenthal den Beginn des Aufstands des jüdischen Sonderkommando im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau am 7. Oktober 1944. Lewenthal traf am 10. Dezember 1942 in Auschwitz-Birkenau ein, er war 24 Jahre alt. Seine Angehörigen wurden unmittelbar nach der Ankunft in den Gaskammern ermordet. Er wurde zur Arbeit im Sonderkommando ausgewählt. Lewenthal gehörte zu den sogenannten Chronisten im Sonderkommando. Männer, die im Verborgenen Berichte über das Leben und Arbeiten im Sonderkommando verfassten. Wir werden „das Unsrige weiterhin tun und versuchen dies alles für die Welt aufzubewahren … denn wir müssen der Welt auf diese Weise … alles mit dem System eines Chronisten ordnungsgemäß zeigen, so wie es sich entwickelt hat. Von jetzt an werden wir alles in der Erde verstecken …“ (Salmen Lewenthal) . Bis heute wurden die Berichte von sechs Chronisten im Boden von Birkenau gefunden. Ein namentlich nicht bekannter Chronist schrieb, „Ich bitte, alle meine … Beschreibungen und Notizen ... unter dem Titel: ‚Inmitten des grauenvollen Verbrechens‘ zu veröffentlichen.“

Insgesamt wurden mehr als 2.000 Männer wurden zur Arbeit im Sonderkommando gezwungen. Sie mussten den Deportierten beim Auskleiden helfen und sie in die Gaskammer führen. Später mussten sie die Toten sie aus den Gaskammern ziehen und verbrennen. Bei Erschießungen mussten sie die Menschen festhalten. Den ermordeten Frauen mussten sie die Haare abschneiden, sie säubern, desinfizieren und trocknen. Und sie mussten das Zahngold aus dem Kiefer brechen, das dann eingeschmolzen wurde. Sie mussten die bei der Verbrennung verbliebenen Knochenreste zerstampfen und die Asche der Ermordeten in Flüsse und Teiche verteilen.

Salmen Lewenthal resümierte die Abgründe ihrer Arbeit: „Warum tust du eine so schändliche Arbeit, warum lebst du, zu welchem Zweck lebst du, was begehrst du … was möchtest du durch ein solches Leben erreichen … Und die Wahrheit ist die, daß man um jeden Preis leben möchte, man zu leben wünscht, weil man lebt, weil die ganze Welt lebt.“

Im Herbst 1943 begannen Überlegungen und Planungen von Männern des Sonderkommandos, ein Zeichen gegen den Massenmord zu setzen, mit einem Aufstand. Ein Fanal mit dem sie ihr Schicksal selbst in die Hände nehmen wollten um sich den deutschen Mördern zu widersetzen.

Der Aufstand im Sonderkommando am 7. Oktober 1944 wurde von der SS niedergeschlagen. Etwa 450 Männer des Sonderkommandos wurden erschossen. Den Häftlingen gelang es, drei SS-Angehörige zu töten und mehrere zu verwunden.

Etwa 90 Männer des Sonderkommandos erlebten 1945 ihre Befreiung .

Reise nach Oswiecim/Auschwitz - 5. bis 8. Oktober 2019

Bei unserem Aufenthalt in Auschwitz werden wir die Orte aufsuchen wo die Männer des Sonderkommandos arbeiten und leben mussten. Hier werden wir uns mit ihrer Geschichte auseinandersetzen. Wie entstand das Kommando? Wer waren die Männer, die zur Arbeit im Sonderkommando gezwungen wurden? Wie konnten sie dieses Schicksal ertragen? Wie waren Ihre Lebens- und Arbeitsbedingungen? Wie gestaltete sich ihr Leben nach der Befreiung? Im Mittelpunkt steht natürlich die Entwicklung des Widerstands im Sonderkommando bis hin zum Aufstand. Welche Widersprüche gab es dazu innerhalb des Sonderkommandos, aber auch zwischen den jüdischen Häftlingen des Sonderkommandos und des organisierten Widerstands im Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau.

Zu unserer Reise haben wir Marika Venezia, die Witwe von Shlomo Venezia, eingeladen. Shlomo Venezia wurde im April 1944 aus Griechenland nach Auschwitz verschleppt und nach wenigen Wochen dem Sonderkommando zugeteilt. Seine Befreiung erlebte er im Mai 1945 in Ebensee/Österreich. Marika Venezia wird uns von ihrem Leben mit Shlomo Venezia berichten.

Während unseres Aufenthaltes in Oswiecim/Auschwitz ist in der Internationalen Jugendbegegnungsstätte die Ausstellung „Nur die Sterne waren wie gestern“ zu sehen. Thema der Ausstellung ist das Leben von Henryk Mandelbaum. Er war Gefangener im Sonderkommando von Sommer 1944 bis Januar 1945. Er ist im Juni 2008 in Gliwice/Polen gestorben.

Am 7. Oktober 2019 kommen wir um 13:25 Uhr - dem Beginn des Aufstands - am Krematorium IV in Birkenau zusammen, um den Männern des Sonderkommandos zu gedenken. Im Anschluss fahren wir zu dem Ort, wo am 6. Januar 1945 in Auschwitz vier jüdische Frauen von der SS hingerichtet wurden. Rosa Robota, Ala Gertner, Regina Safirsztajn und Ester Wajcblum hatten Sprengstoff für den Aufstand des Sonderkommandos aus der Weichsel Union Fabrik geschmuggelt.

Neben unserem Programm wird auch Zeit zur Verfügung stehen für individuelle Besichtigungen des ehemaligen Lagergeländes und des Museums Auschwitz-Birkenau.

Organisatorisches

 

An- und Abreise

Es wird eine gemeinsame An- und Abreise per Bahn von Berlin nach Katowice organisiert. Dort werden wir vom Bus der IJBS abgeholt. Die Kosten der Bahnanreise sind nicht im Teilnehmerbeitrag erhalten. Zeiten und Preise werden später veröffentlicht. Natürlich ist es auch möglich, die Anreise privat zu organisieren.

Krankenversicherung, Reiseversicherung

Die Teilnehmer der Bildungsreise sind vom Veranstalter nicht krankenversichert und nicht reiseversichert.

Unterbringung

Wir wohnen in der Internationalen Jugendbegegnungsstätte in Oswiecim. Wir werden in Doppelzimmern untergebracht; Einzelzimmer gegen Aufpreis von 80,- €.

Teilnahmebetrag

Der Teilnahme an der Reise kostet 290,00 € (bei Unterbringung im Doppelzimmer).

Der Preisaufschlag für ein Einzelzimmer beträgt 80,- €.

Im Teilnahmebeitrag enthalten sind Übernachtung, Frühstück, Mittagessen, Abendessen, Lunchpakete, Busfahrten, Führungen, Eintrittsgelder. Im Teilnehmerbeitrag nicht enthalten ist die An- und Abreise nach/von Oswiecim/Auschwitz.

Der Teilnehmerbeitrag sollte bis zum 05. August 2019 überweisen werden:

Bildungswerk Stanislaw Hantz e.V.,
IBAN DE88 5205 0353 0001 0713 71
BIC HELADEF1KAS

Anmeldeschluss

Anmeldeschluss ist der 5.08.2019 (zwei Monate vor Reisebeginn). Es empfiehlt sich eine frühzeitige Anmeldung!

Weitere Informationen, Fragen...

Fragen zum Programm, Ablauf und Organisation der Bildungsreise beantwortet:

Roland Vossebrecker (02204/25819)
vossebrecker@bildungswerk-ks.de

abgelegt unter: