Neue Gedenksteine in Sobibor: Einladung zur Teilnahme an der Verlegung am 18. Mai 2026
Im Jahr 1996 besuchten Mitarbeiter*innen des Bildungswerks Stanisław Hantz e.V. zum ersten Mal die Gedenkstätte Sobibór. Was sie dort vorfanden, war ein abgeschiedener Ort, eine Gedenkstätte, die der Natur viel Platz ließ. Es war ein feuchter Wald, der mit seiner ungeheuren Stille die Massengräber umschloss. An diesem sprachlosen Ort war die Ermordung von etwa 180.000 Menschen nur schwer nachzuvollziehen. 1998 kam das Bildungswerk Stanisław Hantz schließlich mit Teilnehmer*innen einer Bildungsfahrt zurück nach Sobibór. Und von da an jedes Jahr wieder.
Von Besuch zu Besuch entfalteten sich mehr und mehr Gedanken und Gespräche darüber, wie man an diesem eindrücklichen Ort der Jüdinnen und Juden gedenken konnte, die hier in den Gaskammern ermordet wurden. Viele Ideen wurden verworfen, andere immer wieder diskutiert. Übrig blieb schließlich die Idee, an konkrete, einzelne Menschen zu erinnern. Nicht eine unvorstellbare anonyme Opferzahl sollte im Mittelpunkt stehen, sondern der einzelne Mensch. Die Botschaft sollte sein: In Sobibór wurde keine namenlose Anzahl von Menschen getötet, sondern 180.000-mal ein Mensch. Ein Gedenkstein sollte an eine in Sobibór ermordete Person erinnern. Geburtsort und Geburtsdatum sollten auf einer an einem Gedenkstein angebrachten Tafel stehen und so den Menschen ein wenig ihre Geschichte zurückgeben.
Auf Initiative und mit finanzieller Unterstützung des Bildungswerk Stanisław Hantz e.V. wurden am 14. Oktober 2003 die ersten Gedenksteine in Sobibor aufgestellt, es war der 60. Jahrestag des Aufstands der Gefangenen in dem Mordlager. In der Folgezeit wurden die Gedenksteine zu einem dynamischen Erinnerungsprojekt. Jahr um Jahr kamen neue Steine mit Namen und biografische Daten dazu, nach und nach wuchs ein lebendiger Gedenkort heran. Heute stehen über 400 Gedenksteine in Sobibór.
Am 18. Mai 2026 stellt das Bildungswerk Stanisław Hantz e.V. in Kooperation mit Freiwilligen des Museums zur Geschichte der polnischen Juden (Polin) in Warschau, neue Gedenksteine in Sobibór auf. Die Steine sind der Familie Huberman aus Włodawa, der Familie Biskubicz aus Hrubieszów, Sonja Brandstater aus Włodawa und Lina Weiler aus Nordhessen gewidmet.
Wir laden herzlich ein, an dieser Steinverlegung teilzunehmen und sie zu einem würdigen Ereignis zu machen. Anmeldung / Information bei: Gerhardt@bildungswerk-ks.de
